Eine Studie der Universität Wien bringt Licht in den Inhalt deutschsprachiger Tweets. Die nervösen Kurzmeldungen entpuppen sich als Vervielfältiger für Medieninhalte: persönliche Auswahl und Bewertung ergänzen deren Agenda-Setting.
Tiefgreifende Analysen deutschsprachiger Twitter-Inhalte sind selten – die Universität Wien hat sich im Dezember 2010 und im März 2011 durch 12’000 Kurzmeldungen gegraben und verdichtet die Erkenntnisse vorbildlich. Ausgewertet wurden nur individuelle Tweets in deutscher Sprache, die einen Link enthielten – nach Ausschluss von Sammelauftritten durch Firmen, Verbänden, Medien oder fremdsprachiger Texte blieben 3’221 Tweets für die Stichprobe.
Link-Twitter ist zu zwei Drittel männlich
Diese Stichprobe bezieht sich also nur auf Tweets, die irgendwo einen Link enthielten. Schade, dass die Autoren nicht aufzeigen, wie hoch der Ausschluss-Anteil von Link-freien Tweets ist. Mit dieser Einschränkung vermittelt die Auswertung einen Hinweis auf die Struktur privater Twitter-Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz: 64% sind männlich, 22% weiblich, bei 14% liessen die Profilangaben keinen eindeutigen Rückschluss zu.
Worauf wird verlinkt? 51% verweisen auf Nachrichten, 23% auf Werbung, 12% auf private Inhalte für einen engen Nutzerkreis, 13% auf Unterhaltung wie Musik, Videos, Cartoons.
Twitter erhöht die Reichweite
Die interessanteste Aussage versteckt sich in dieser Kuchengrafik: 34% der Links aus Tweets führen zu redaktionellen Medien, 28 % zu persönlichen Inhalten von Nutzern, 37% zu Unternehmen oder Organisationen. Twitter ist eine Linkschleuder. Und damit ein wesentlicher Faktor für die Verbreitung von Inhalten, die Medien und Firmen ins Web stellen.
55% dieser Links sind mit Kommentaren ergänzt. Davon enthalten 28% eine Wertung, 16% einen persönlichen Bezug des Twitterers, der Twitterin.
Multiplikation mit persönlicher Note
Individuelle Twitter-Nutzer profilieren sich mit der Weiterreichung von Online-Inhalten. Medien, Firmen und Ich-Verleger profitieren davon – wenn sie es schaffen, mit ihren News die Twitter-Nutzer und deren Follower anzusprechen. Denn ich will ja nur das weiterreichen, was mich selbst interessiert und bei meinen Freunden positiv profiliert.
Bei diesem Prozess sind Twitter-User sozusagen Trittbrettfahrer: Sie setzen auf die Themen-Vorselektion der Linkquellen, verstärken deren Gatekeeper-Rolle. Wer seine Inhalte hinter Bezahlschranken versteckt, verzichtet auf diese Multiplikation. Offen lässt die Studie den Vergleich mit anderen Formen der Weiterreichung, wie sie E-Mail oder Kurznachrichten auf Facebook bringen. Den individuellen Nachweis bringt die Web-Statistik: Für den bernetblog ist Twitter nach Suchmaschinen der zweitwichtigste Zugriffspunkt.
Was sagen Eure Analysen?
Bilder iStockphoto, Grafiken Studie Universität Wien, Grafik Online-Inhalte Marcel Bernet
Holger Schmidt, FAZ:
Trafficlieferanten der Medien: Facebook gewinnt, Google verliert
bernetblog:
Mehr Reichweite mit Facebook: US Radio macht’s vor
US-Studie: Wer twittert?
Social Media ticken anders als klassische Medien: emotionaler, schneller, verlinkt
Dieser Artikel erschien auch auf NZZ Online / Extrablog.
Trotz einer deutlich höheren Follower-Anzahl auf Twitter und einer wesentlich aktiveren Nutzerschaft dort überrascht es mich immer wieder, das Facebook für unseren Blog als Traffic-Quelle stets knapp vor Twitter rangiert.
Auf Platz 1 der Referrer ist übrigens unser Portal, aber das ist bei der Menge an Traffic der dort über SuMas generiert nicht weiter verwunderlich…
Gruß,
Sebastian
Mit nur 180 „Gefällt mir“ auf Facebook? Kann ja kaum sein… Wieviele Follower habt ihr auf Twitter? Und Platz 1 der Referrer hat nicht Google?