Joung Gustav gehört zu den bekanntesten Schweizer Creator:innen. Mehr als 5.7 Millionen Follower vereint er alleine auf seinem Tiktok-Account. Bekannt geworden ist der Zürcher mit «Stadi Szene». In den Clips führte er über mehrere Jahre jeweils an den Wochenenden Interviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es versteht sich von selbst, dass die Antworten nicht immer aalglatt und der Unterhaltungsfaktor für seine Zielgruppe hoch ist.
@jounggustav all across the world 🌍 #zurich #paris #monaco #hongkong #ibiza #kampala #losangeles #london #stilldre #drdre #snoopdogg ♬ Originalton – Joung Gustav
In letzter Zeit hat Joung Gustav seinen Fokus auf Musik-Clips gelegt. Und parallel mit Yvte seine eigene Getränke-Marke aufgebaut. Auch hier unter Einsatz seines Social Media Wissens und Guerilla-Aktionen, die es regelmässig in die Medien geschafft haben. Wenn auch nicht immer positiv.
Und dann eröffnete der 32-Jährige Ende August einen Tiktok-Zweitaccount. Auf «gustavredet» thematisiert er Dinge, die ihn beschäftigen. Etwa das Verhältnis zwischen Mann und Frau oder die Schweizer Asylpolitik.
Das birgt aus Kommunikationssicht Chancen
- «Gusti» erreicht viele Menschen und kann damit (junge) Menschen zur politischen Meinungsbildung bewegen, die über klassische Medien nicht erreichbar sind, denn…
- …News Fatigue ist eine Realität. Nicht nur bei Jugendlichen, wie das Jahrbuch Qualität der Medien zeigt.
- Durch sein aktives Community Management und den Aufruf, sich gegenseitig zu respektieren, gibt es potenziell Raum für konstruktive Diskussionen.
…und Gefahren
- Sein Narrativ ist deutlich. Und von ihm – etwa beim Video zur Asylpolitik – auch mit Kommentaren unterstrichen: Er wolle nicht, dass «Schwiizer innert 100 Jahr vo ca. 90% uf 30 reduziert werdet i ihrem eigene Land». Neben der klar lesbaren politischen Einstellung ist die Verbindung zu Verschwörungserzählungen naheliegend.
- Durch «meine Meinung» zieht der Creator bewusst oder unbewusst Menschen von rechts aussen an. Sie loben ihn und vervielfachen die Aussagen. Der Creator verliert die Deutungshoheit.
- Die Äusserungen können zum Reputationsproblem für die Person werden. Gleichermassen aber auch für seine eigene Marke sowie allfällige weitere Partnerschaften.
Einen weiteren Punkt nennt Roger Hämmerli in der Diskussion auf LinkedIn: «Die parasoziale Beziehung lässt Fans eines Creators alles spiegeln. Man fühlt sich so verbunden mit dem Creator, weil er lustig ist und er doch soooo toll ist. Man geht automatisch davon aus, dass die restlichen Werte identisch sind mit den eigenen – und dann platzt die Illusion.»
Der Anfang einer Entwicklung?
Da sich mittlerweile auch andere Creators und Podcaster zum Thema äussern, ist die Geschichte nicht abgeschlossen. Sie zeigt, wie gut abgewogen öffentliche politische Meinungsäusserung sein muss. Nicht nur als Content Creator. Diese Momentaufnahme könnte auch am Anfang einer Entwicklung hierzulande stehen, die wir im Ausland schon lange sehen: gezielte und reichweitenstarke politische Meinungen auf Instagram und Tiktok.
Foto: Joung Gustav
Aufgund des heutigen Zeitungsartikels habe ich das entsprechende Video angeschaut.
Mit der Meinung von „young gusti“ kann man absolut nicht einverstanden sein. Er belegt seine Argumente aber mit Quellen und Berechnungen. Im Idealfall wären diese noch im Video, zur einfacheren Nachverfolgung, eingeblendet. Er bemüht sich aber mehr um eine sachliche und ausgewogene Debatte als die meisten Menschen und Medien.
Einer anderen Person die Nähe zu „Verschwörungserzählungen“ vorzuwerfen, widerlegt ihre Punkte nicht.
Wenn eine Population 1 eine geringere Geburtenrate hat als Population 2 und zusätzlich Weitere Individuen von Population 2 hinzugefügt werden, wird Population 2 mit der Zeit Population 1 verdrängen. Das ist Populationsgenetik 101. *Wie* diese Verdrängung bewertet wird ist eine andere Frage.
Im Sinne einer sachlichen Debatte, würde es mich freuen, wenn sie versuchen seinen Punkt zu widerlegen, anstatt ihm die Nähe zu „Verschwörungserzählungen vorzuwerfen.