3.800 Emojis gibt es heute â mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Und trotzdem hatten es laut Bitkom 62 % der NutzerInnen bereits mit emoji-bedingten MissverstĂ€ndnissen zu tun. Was fĂŒr die einen ein warmes â€ïž ist, wirkt fĂŒr andere wie eine unerwartete (und eventuell unerwĂŒnschte) IntimitĂ€t.
Gen Z trifft Xennial – ein Emoji-Abgleich
Bevor wir also weiter wild Herzen und Smileys verschicken, wollten wir wissen: Wie navigieren unterschiedliche Generationen dieses Universum? DafĂŒr haben meine Kollegin Gaya (Gen Z) und ich, Generation Xennial (irgendwo zwischen X und Y) uns gegenseitig zu unserem Emoji-Alltag befragt:
Gaya, welche Rolle spielen Emojis deiner Meinung nach in der Kommunikation â und wo ziehst du die Grenze zur ProfessionalitĂ€t?â
Ich sehe Emojis wie Schmuck in der Kommunikation â zu viel davon, und es vermiest das ganze Outfit. Richtig eingesetzt können sie das Geschriebene jedoch besser unterstreichen und hervorheben. DafĂŒr braucht es ein GespĂŒr dafĂŒr, wann ein Emoji als persönliche Note gedacht ist (wo man mehr Spielraum hat) und wann eine professionelle Wirkung im Vordergrund stehen soll.
Welches Emoji wĂŒrdest du sofort verbieten? Und welches sollte hĂ€ufiger genutzt werden?
Ich wĂŒrde das leicht lĂ€chelnde Gesicht đ sofort verbieten. Dieses Emoji sehe ich sehr oft in meinem Berufsalltag und es wirkt auf mich eher passiv-aggressiv als freundlich. Das grinsende Gesicht mit lĂ€chelnden Augen hingegen kann man ruhig hĂ€ufiger verwenden đ.
Wann sind Emojis im Businesskontext aus deiner Sicht sinnvoll?
Im Business-Kontext wĂŒrde ich Emojis nur dann verwenden, wenn es nicht allzu seriös wirken und etwas auflockern soll. Es soll aber nie ganze Wörter oder SĂ€tze ersetzen, sondern nur ergĂ€nzend verwendet werden.
Welches Emoji nutzen Ă€ltere Generationen falsch â und niemand sagt es uns?
Ich habe einige Beispiele gesehen, in denen Ă€ltere Generationen Emojis viel zu wörtlich nehmen. Zum Beispiel: «Dein Onkel ist leider verstorben đ». In ernsten Situationen sind Emojis, ganz egal welche, einfach fehl am Platz.
Claire, die ĂŒberraschendste Emoji-Neuinterpretation der Gen Z?
Kein einzelnes Zeichen, finde ich. Mich ĂŒberrascht eher, wie viel Subtext heute in einem Emoji stecken kann. Wir Ă€lteren Generationen sind da oft einfacher gestrickt. Gaya hat mir dazu die Serie «Adolescence» empfohlen, wo hinter Emojis soziale Codes stecken: wer sie falsch liest, versteht nichts. Da wurde mir klar, wie gross das MissverstĂ€ndnis-Risiko zwischen den Generationen geworden ist. .
Gibt es ein No-Go-Emoji fĂŒr Arbeitschats?
Ja. Alles, was zu persönlich wird, alles, was doppeldeutig gelesen werden kann und alles, was potenziell verletzt. Emojis sind schnell, niedrigschwellig und sie können entwaffnend sein – gerade im professionellen Kontext – eine potenziell explosive Mischung. Ein falsches Symbol und aus Lockerheit wird GrenzĂŒberschreitung. Insofern bin ich eher vorsichtig.
Welche Funktion haben Emojis fĂŒr mich im professionellen Gebrauch?
Intern â vor allem auf Slack oder Teams â finde ich Emojis extrem effizient. Dort gilt: Ein Emoji ist eine vollstĂ€ndige Antwort. Ein (leicht cringiger) Daumen hoch, ein Herz, ein HĂ€kchen. Extern und in der Kundenkommunikation, bin ich – je nach NĂ€he und Beziehung – zurĂŒckhaltender, wahrscheinlich auch konservativer. Auf Social Media wiederum, besonders LinkedIn und Instagram, bin ich mutiger und nutze Emojis gern strukturierend, als visuelle Anker. Da dĂŒrfen sie auch spielerischer sein.
Was Kommunikationsexpert:innen daraus lernen können:
- Emojis sind kein universelles Alphabet â sondern ein sozialer Code, dessen Bedeutung sich je nach Generation, Team und Beziehung verĂ€ndert.
- PerspektivenĂŒbernahme sind sinnvoller als Regeln: Im Zweifel kurz innehalten und fragen, wie etwas gemeint war.
- Emojis strukturieren Informationen: Ein funktionaler Einsatz (đĄ, đ , â) kann Texte klarer machen.
- Menschen spiegeln das Emoji-Verhalten ihres GegenĂŒbers: Wer vorangeht, setzt den Emoji-Ton.
Fassen wir zusammen: Emojis sind wie Familienfeiern: Alle nutzen sie, viele missverstehen sich – und doch wĂŒrde ohne sie etwas Entscheidendes fehlen. Fröhliche Feiertage đđđ!
Foto: Tim Witzdam auf Unsplash.com