Laurent Burst und Nadja Schnetzler gehen seit über dreissig Jahren der Frage nach, wie Menschen am besten zusammenarbeiten können. 2024 haben sie ein Buch darüber geschrieben, wie man mit der Arbeit zügig vorankommt. Und sie beginnen damit, Dinge zu beschreiben, die im Büroalltag den Flow systematisch verhindern: ständige Unterbrechungen, Aufschieben, Perfektionismus, Missverständnisse, ungelöste Spannungen, Angst, Sinnlosigkeit, Überforderung, schlecht funktionierende Tools – und als Spezialfall: das «Firma spielen». Damit meinen sie all die scheinbar professionellen Routinen (sinnlose Checklisten, Gremien, Vertagungen), die gut aussehen, aber nichts wirklich voranbringen und alle vom eigentlichen Kern der Arbeit ablenken.
Schon nur sich mit den Flow-Killern auseinanderzusetzen, fordert heraus und bringt einem zum Nachdenken: Wie gehe ich mit Spannungen in einem Team um? Realisiere ich, wenn ich jemanden mit meiner Ungeduld stresse? Spiele ich selber nicht zuweilen auch Firma? Und wenn ja, warum tue ich das?
Die Flow-Brille aufsetzen:
Bestechend an dem Buch «Zusammenarbeit im Flow» ist, dass es einerseits spannende und hilfreiche Werkzeuge präsentiert, andererseits aber vor allem den Finger auf die Haltung legt. Denn: Die «Flow-Brille» ist eine Haltung: In Momenten, in denen etwas zäh wird oder Spannungen entstehen, wird nicht nach Schuldigen gesucht, sondern nach der Frage: «Warum fehlt der Flow – und was können wir jetzt tun, um in den Flow zu kommen?». So wird Veränderung nicht bekämpft, sondern kontinuierlich integriert. Denn jede Irritation wird als Hinweis verstanden, dass Flow-Bedingungen angepasst werden müssen.
Die fünf zentralen Flow-Bringer
Aus hunderten Interviews destilliert das Buch fünf übergeordnete Flow-Bringer oder Schlüsselfaktoren, die der besseren Zusammenarbeit dienen:
- Purpose: das «Warum», das Sinn stiftet und Entscheidungen erleichtert
- Fokus: Ruhe und gemeinsames Priorisieren
- Klarheit: temporäre Sicherheit in einer Welt, die sich ständig verändert.
- Team: Dinge gemeinsam tun, Diversität und Fähigkeiten aller wertschätzen und nutzen
- Spass: Der Indikator für guten Flow
Das Buch packt im zweiten Teil zehn Werkzeuge aus, die helfen, Flow herzustellen: Für Individuen, für Teams und für ganze Organisationen. Dieser Werkzeugkasten ist in 30 Jahren Praxis entstanden und mit tausenden Menschen in sehr unterschiedlichen Organisationen getestet worden
Zwei davon haben mich besonders überzeugt und gehen mir – gerade auch weil sie so simpel sind – nicht mehr aus dem Kopf:
Die Get-it-done-Sessions: In «Get-it-done-Sessions» erledigen Teams in klaren Zeitboxen konkrete Arbeit statt nur darüber zu reden. Alle vereinbaren für 30–120 Minuten, woran sie konzentriert arbeiten, unterstützen sich gegenseitig und feiern am Ende sichtbare Ergebnisse.
Die persönliche «Betriebsanleitung»: Sie macht explizit, wie jemand tickt: Was stresst mich, was mache ich am liebsten? Was sollte man über mich wissen? Wenn alle ihre Betriebsanleitungen teilen, wird Diversität praktisch nutzbar und Missverständnisse sinken, weil Bedürfnisse und Eigenheiten nicht mehr erraten werden müssen.
Es lohnt sich, auch die weiteren acht Werkzeuge kennen zu lernen «Zusammenarbeit im Flow» fristet in meinen Augen zu Unrecht eher ein Schattendasein in der reichhaltigen Beratungs- und Coaching Literatur. Vielleicht auch darum, weil es ohne jegliches Bullshit Bingo daherkommt und einfach und treffend geschrieben ist.
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