Eine Klarstellung vorweg: Fake News sind nicht mit falschen Informationen gleichzusetzen.
Falsche Informationen entstehen durch Fehler, im redaktionellen Alltag etwa, und sind korrigierbar. «Fake News», hingegen, sind bewusst konstruiert. Sie folgen einer klaren Strategie und sie skalieren – besonders in sozialen Medien, längst aber auch in klassischen Medien und PR.
Die Dimensionen sind bemerkenswert. Während des US-Wahlkampfs 2024 entsprachen laut «Politifact» nur rund 3 % der Aussagen von Donald Trump der Realität. Der Rest – 97 % – war bewusst verzerrt oder schlicht falsch.
Fake News sind also konstruiert. Und sie wirken. Beispiele wie die Bettwanzen in Paris vor den Olympischen Spielen oder gezielt gestreute Desinformation über die Identität von Brigitte Macron zeigen, dass Milliardenreichweiten möglich sind. Die Richtigstellung erreicht oft nur einen Bruchteil davon.
Was bedeutet das für Kommunikationsprofis?
- Vertrauen priorisieren
Wer erst in der Krise beginnt, Vertrauen aufzubauen, ist zu spät dran. Beziehungen zu Journalist:innen, Glaubwürdigkeit als Marke, konsistente Kommunikation – all das entsteht im Alltag – und zahlt sich aus, wenn es ernst wird. - Kreativität ist kein Nice-to-have
Fake News sind kreativ, emotional und gehen leider eben oft viral. Wer dagegenhalten will, muss es auch sein. Beispiele reichen von gezielten Influencer-Kampagnen bis hin zu bewusst gesetzten «Fake News», die anschliessend entlarvt werden. Aufmerksamkeit gewinnt, wer erzählt statt nur zu informieren.
- Verstehen, wie das System funktioniert
Desinformation ist kein isoliertes Phänomen. Sie ist Teil eines Ökosystems und gekoppelt an wirtschaftliche und/oder politische Interessen. Tools wie Social Listening helfen – aber reichen nicht. Medienkompetenz allein auch nicht. Wer wirksam sein will, muss die Mechanismen verstehen und dort ansetzen, wo sie entstehen.
Eine (unbequeme) Wahrheit bleibt: „We can see the crime, but we can never see the criminal.“ Fake News zu bekämpfen ist ein bisschen wie Doping im Sport. Man weiss, dass es passiert, man erkennt die Effekte – aber selten die Urheber.
Und doch ist Resignation keine Option. Huchon spricht vom „Colibri-Prinzip“: kleine, konsequente Beiträge, die zusammen Wirkung entfalten. Kommunikation kann Realität nicht allein verändern, aber sie kann Orientierung geben. Wer glaubwürdig bleiben will, muss langfristig denken, handeln und verstehen, womit er es zu tun hat.
Inspiriert wurde dieser Blog durch den Vortrag vom Journalisten Thomas Huchon «Trust, Truth & Verification in the Deepfake Era”
Titelbild: Markus Winkler auf Unsplash