Journalisten im Internet: Studie

Journalistinnen und Journalisten sind per E-Mail erreichbar, haben zunehmend zwei Adressen und nutzen das Internet sehr intensiv für ihre Arbeit. Die «IAM/Bernet-Studie Journalisten im Internet 2005» zeigt, was sich Medienschaffende im Netz wünschen und was sich seit der ersten Studie von 2002 verändert hat.

Dieser Anstoss

  • vermittelt die wesentlichen Erkenntnisse
  • gibt fünf Tipps für Ihre PR-Arbeit
  • wagt einen Blick in die Zukunft im Internet: Studie

Die Fakten: Nichts geht ohne Netz und Mail

Vor drei Jahren nutzten noch weniger als 80 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten täglich das Internet, heute sind es 91.6 Prozent. Das Zeitbudget für diese Besuche liegt zwischen einer und drei Stunden. Die fünf wichtigsten Inhalte sind Suchmaschinen, Verwaltungs-Seiten, Unternehmens-Seiten, Newsportale und Newsletter. Der Schlüssel zu diesen Inhalten heisst Google – 97 Prozent der Befragten gaben an, dieses Portal zu nutzen.

E-Mail hat sich im journalistischen Alltag als Kommunikationsmittel weiter vorgedrängt. Es steht auf dem dritten Platz – dicht hinter persönlichem Gespräch und dem Telefon. Schon auf dem zweiten Rang liegt E-Mail hingegen beim Kontakt mit nicht persönlich bekannten Informationsquellen. Die drei meistgenutzten online News-Sites sind in dieser Reihenfolge: nzz.ch, spiegel.de, tagesanzeiger.ch.

Fünf Tipps für die Medienarbeit im Netz

E-Mail und Webseiten prägen den Medien-Alltag, das heisst für Ihre PR-Praxis:

1. Keine Medienarbeit ohne Online-Mediencorner
Auf die Frage nach der Wichtigkeit für die journalistische Arbeit ergibt sich folgende Reihenfolge von Web-Inhalten: Suchmaschinen, Internet-Seiten von Verwaltungen, Internet-Seiten von Unternehmen – noch vor Newsportalen. Das heisst ganz klar: Medien suchen und nutzen medienrelevante Inhalte auf Ihrem Internet-Auftritt. Mehr Tipps zu diesem Thema bietet unser Anstoss vom März 2004.

2. Kein Mediencorner ohne Kontakt, Zahlen, Hintergrund
Journalisten wollen auf Ihrem online-Medienangebot sehr klare Kontaktinfos, Zahlen und Daten sowie Hintergrundmaterial. Dieses Material kann aus Dossiers, Communiqué-Archiv, Text-Downloads bestehen. Übrigens zeigen sich die Befragten mehrheitlich zufrieden mit dem heutigen Angebot.

3. Googlen Sie sich selbst
Was kommt dabei heraus? Die Mehrheit der Medienschaffenden wird Ihren Mediencorner über Google finden, diese Suchmaschine dominiert den journalistischen Zugang ins Netz. Mit aktuellen Inhalten, eindeutigen Seiten-Titeln und direkt ansprechbaren Seiten erhöhen Sie die Trefferquote.

4. E-Mail gezielt einsetzen
Eine Mehrheit wünscht sich Medienmitteilungen und Einladungen auf elektronischem Weg, einzig die gute alte Papier-Pressemappe erwarten sie per A-Post. Soweit die generelle Aussage – wichtig bleibt das Abstimmen auf die individuellen Wünsche Ihrer Medienkontakte. Übrigens erhält Fax nur noch verschwindend wenig Nennungen. Ach ja: Vergessen Sie die mittlerweile arg bedrängten persönlichen Gespräche nicht ganz. Vertrauen wächst dort, wo man sich vis-à-vis steht.

5. Blogs weiter beobachten, testen
Blogs, Podcasts, RSS werden heute im journalistischen Alltag praktisch gemieden. Es gibt ja auch noch wenig Lesenswertes in der Schweiz. Blogs werden nie die Hauptrolle für Ihre Medienarbeit spielen. Sie werden sich einen Platz ergattern, flankierend, für spezielle und strategisch klar eingebettete Kommunikationsziele. Mehr zum Thema auf bernetblog.ch.

Die Zukunft: Glaubwürdigkeit zählt

Medienschaffende sind überzeugt, dass Mail und Internet ihre Arbeit noch stärker prägen werden. Aus unserer Sicht liegt die Herausforderung für PR-Verantwortliche darin,

  • sehr genau zu verfolgen, wie sich die Netz-Nutzung in den nächsten Jahren weiter entwickelt
  • sich immer wieder auf die neuen Realitäten anzupassen – damit den richtigen Personen auf dem gewünschten Weg das geboten wird, was ihre Arbeit erleichtert
  • die Qualität und die Aktualität von Web-Inhalten zu erhöhen und sie noch stärker auf die Bedürfnisse von Medien zu bündeln.

Glaubwürdigkeit entsteht aus Qualität und Aktualität, aus benutzerorientierten Inhalten und Aufbau – und aus einem kontinuierlichen Dialog auf allen Kanälen. Sie wird in Zukunft die Wirksamkeit der Medienarbeit entscheidend prägen.

«Es gibt drei Sorten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen, Statistiken.»

Mark Twain bringt es böse auf den Punkt – aber hier handelt es sich ja um eine Studie, keine Statistik. Wissenschaftlich fundiert dank der Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von 617 Deutschschweizer Medienschaffenden. Die Studie mit allen Angaben zur Methodik ist gratis zum Download verfügbar.

Copyright für den Inhalt www.bernet.ch, Weitergabe nur mit Angabe der Quelle.
Anstoss 16/Dezember 2005