Studie Journalisten im Web 2017: Erkenntnisse und Tipps für die Online-Medienarbeit

In 21 Interviews haben wir erforscht, wie Medienschaffende im Web recherchieren, publizieren und diskutieren. Zum zweiten Mal veröffentlichen wir die IAM-Bernet-Studie «Journalisten im Web» in Buchform. Dieser Newsletter bringt daraus

  • wichtige Erkenntnisse für Kommunikations-Profis
  • drei griffige Tipps für die Online-Medienarbeit

Unsere Studie ist als Buch oder E-Book erhältlich. Gemeinsam mit Prof. Dr. Guido Keel vom Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM der ZHAW haben wir daraus Erkenntnisse und Tipps abgeleitet:

Journalisten im Web 2017: Ambivalent und aktiv

Was bringen Social Media im journalistischen Alltag? Wie helfen sie im Zeit- und Spardruck? Was schätzen Medienschaffende – wo bleiben sie kritisch?

  • Recherchieren: Inspiration und Kontakte
    Alle Befragten nutzen Social Media beim Recherchieren, die Kanäle dienen vor allem als Startpunkt bei der Themenfindung. Viele – vor allem Jüngere – suchen und kontaktieren dort Experten oder Augenzeugen. Gleichzeitig beurteilen sie die Glaubwürdigkeit der Kanäle kritisch. Der journalistische Grundsatz bleibt: Informationen müssen von einer zweiten, unabhängigen Quelle bestätigt werden – ausserhalb der Sozialen Medien.
  • Publizieren: Profilierung und Anforderungen
    Journalisten nutzen ihre Social-Media-Profile zur eigenen Profilierung. Sie machen ihre Beiträge so einem breiteren Publikum zugänglich. Auffällig: Die Redaktionen kennen kaum verbindliche Richtlinien. Mit den Möglichkeiten entwickelt sich auch der Anspruch des Publikums: Videos beispielsweise erwartet man heute auch auf den Online-Auftritten von Radios und Printmedien.
  • Diskutieren: Zuhören, Fragen, Reagieren
    Der Austausch mit dem Publikum wird vorwiegend geschätzt als Qualitäts-Echo und Gradmesser für das Interesse. Einzelne Medien suchen den Dialog bereits aktiv und fordern zum Kommentar und Input auf. Allerdings meint eine Journalistin kritisch: «Wenn es drei Tweets zu einem Artikel gibt, heisst es, er lief gut. Da müssen wir mehr machen.»

Vor zwei Jahren sprachen wir von «Findungs- und Testphase». Mittlerweile haben sich die Erfahrungen zu Gewohnheiten verdichtet. Social Media gehört in den Werkzeugkasten aller Medienschaffenden. Kommunikations-Profis müssen reagieren. 

Konsequenzen für die Online-Medienarbeit

Ein aus Mediensicht professioneller Auftritt auf allen Kanälen wird wichtiger. Aus den 20 Gesprächen leiten wir darum diese Massnahmen ab:

1. Konsequentere Online-PR
Überdenken Sie Ihre bestehenden Konzepte der Medienarbeit. Dedizierte Twitter-Kanäle für die Medienarbeit und/oder für Themenexpertise, multimediales Infomaterial zur Medienmitteilung, neue Online-Formate als Ersatz für immer seltener besuchte Pressekonferenzen. 

2. Themenmix: Softstories mit Anspruch
Im Social-Media-Publikum sitzen nicht nur Fans, Brand-Afficionados und Konsumenten – sondern auch fachlich versierte, kritische Medienschaffende. Sie sind via Social Media offen für die «kleinen» Themen abseits von Jahreszahlen und Communiqués. Bei deren Ausgestaltung ist dieses anspruchsvolle Publikum zu berücksichtigen – und ihr Anspruch an Substanz und Qualität.

3. Mehr Bild, Ton, Film
Multimedia wird wichtiger und von Unternehmen oft und in guter Qualität publiziert. Zur Freude der Medienschaffenden. In ihrer Budget- und Zeitnot bei gleichzeitig wachsendem Anspruch der Konsumenten sind sie offen für Bilder, Töne, Filme. Stellen Sie diese Formate aktiv zur Weiterverwendung zur Verfügung.

«Ich glaube, es gibt nicht zwei Ich. Auch auf Twitter bin ich gleichzeitig NZZ-Redaktor. Zwar etwas spielerischer, aber als dieselbe Person. So versuche ich mich auch zu verhalten.» sagt der NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler. Die Journalisten erwarten von uns Qualität, Tempo und Relevanz. Das bleibt. Social Media öffnen jedoch Raum für Spielerisches.

Bei bernetblog.ch haben wir seit Herbst 2014 viele Portraits und Blogs zum Thema publiziert. Das Video zur Studie bringt Statements und Erkenntnisse. Der Twitter-Hashtag zur Studie lautet #jstudie. Wir freuen uns über Feedback, Diskussionen, Anregungen. 

Die ganze Studie ist erhältlich als Buch oder E-Book via den Verlag Buch&Netz und Amazon. Lesen Sie darin mehr zu den vielfältigen Erkenntnissen und Folgerungen. Wir forschen und beraten weiter zum Thema und sind gespannt auf das Jahr 2018.