Liveblog Harbour Club: Moral im Wettbewerb

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logo harbour clubHeute morgen habe ich das Symposium des Harbour Clubs besucht – es ging ums Thema «Moral als Wettbewerbsvorteil». Und jetzt fahre ich im Tram zum Internet-Briefing (Liveblog folgt) und frage mich, was dieser Morgen gebracht hat.

Der Harbour Club ist ein Verein von rund 50 Kommunikationsleitern, die sich übers Jahr im eigenen Kreis treffen. Die öffentlichen Anlässe sind sehr gut gesponsort und besucht – von allen, die sich gerne mit den Entscheidungsträger/innen der Kommunikationsabteilungen grosser Unternehmen treffen. Auch für mich hat sich der Besuch in dieser Hinsicht gelohnt: Viele bekannte Gesichter aus der Branche waren anwesend, die Begegnungen waren anregend.

Leider blieb dafür etwas wenig Zeit. Grosses Learning wieder mal für meine eigenen Veranstaltungen: Man soll Menschen nicht länger als eine Stunde in einen Raum einschliessen. Auch wenn die Studioräume des Schweizer Fernsehens riesig sind. Von 0900 bis 1130 haben wir eine Professorin, einen Greenpeace-Chef und einen CEO der Post gehört. Auf seltsamerweise sehr eng aufgereihten Stühlen, ohne Bewegungschance. Eine kleine Pause hätte sehr gut getan.

Dass mit rund 130 Anwesenden eine Rekordzahl erreicht wurde, zeigte sich dann in der endlich erreichten Coffee-Break. Einen Kaffee habe ich dann doch nicht ergattert, die Schlange war zu lang, die Pause zu kurz, der Output der Kaffeemaschinen nicht auf das Rekordniveau abgestimmt.

Inhaltlich nehme ich mit:

Von Prof. Dr. Sybille Sachs, Uni Zürich und HWZ: Man soll keine Folien machen mit zu viel Inhalt. Sie hat sehr lebendig referiert, aber die Folien waren leider auf Hochschul-Professoren-Niveau. Interessant war die von ihr geschilderte Erfahrung im schwierigen Dialog mit kritischen Stakeholdern. In einem Fall hätten sie für ein Unternehmen zuerst alle Interessensgruppen in einem Streitfall an einen grossen runden Tisch eingeladen. Das hätte überhaupt nicht funktioniert – die Interessenslagen waren zu weit auseinander, der Diskurs zu chaotisch. In einer anderen Situation hätten sie deshalb zunächst die relevanten Stakeholder-Gruppen definiert. Danach hätten sie die Wahrnehmung jeder Gruppe zur Konfliktsituation abgefragt. Und darauf bilaterale Workshops realisiert, mit jeder Gruppe und dem Management des Pharma-Unternehmens. Bei dieser strukturierten Diskussion der Differenzen hätten sich Lösungswege geöffnet.

Von Kaspar Schuler, Greenpeace Schweiz: Zeige Bilder und sprich frei dazu – seine Präsentation war formal die beste. Moral und Werte lassen sich nur über das Hirn und das Herz der Menschen umsetzen, beleben. Greenpeace will Verhaltensänderungen von Unternehmen und Einzelpersonen erreichen und setzt dabei auf sehr kreative Weise die Medien ein.

Von Ulrich Gygi, Die Schweizerische Post: Gerade wenn du CEO bist – lies keine Referate runter, welche dir die PR-Abteilung geschrieben hat. Am besten war Gygi überall dort, wo er frei gesprochen hat und aus seiner eigenen Erfahrung. Das hat er am Anfang auch versprochen: «Meine Inhalte kommen nicht aus Lehrbüchern. Ich habe nichts gegen Lehrbücher, aber keine Zeit sie zu lesen.» Sehr lebendig war für mich die Botschaft, dass Moral oder Kultur nicht zum reinen Kalkül verkommen darf. Denn heute gings ja um «Moral als Wettbewerbsvorteil». Wo nur noch marketingorientiert Werte hochgehalten werden, kann kein langfristiger Erfolg wachsen.

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