20 Jahre Communication Summit: KI-mmunikation?

Der zwanzigste Communication Summit stand unter dem Motto «KI-mmunikation?». Ein sechsköpfiges Podium diskutierte über den Einsatz von KI in Medien und Kommunikation, die Glaubhaftigkeit von KI-generierten Inhalten, deren Einfluss auf den Arbeitsmarkt, ethische Herausforderungen und allerlei Schabernack, der sich damit treiben lässt. Der Event fand am Mittwoch, 7. Februar an der ETH statt.
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Auf die Frage, warum es noch eine Veranstaltung zu Künstlicher Intelligenz und Kommunikation braucht, antwortet ChatGPT: «Weil KI und Medien die perfekte Beziehungskomödie sind – sie verstehen sich manchmal, manchmal gibt es Missverständnisse, aber am Ende sorgen sie immer für ein unterhaltsames Spektakel!» Mit diesen Worten eröffnete Reto Lipp den 20. Communication Summit «KI-mmunikation», organisiert von ZPRG und ZPV. Die KI sollte recht behalten – nicht zuletzt dank des humorvollen Intros von Patrick «Karpi» Karpiczenko.

Können Maschinen lustig sein?
Für Karpi ist KI ein alter Schuh. Er arbeitet damit, seit er zwölf ist. Dabei treibt den Autor, Regisseur und KI-Film-Pionier eine Frage an: Können Maschinen lustig sein? Vom Schweizer Filmplot- und Fördergeldgenerator über automatisch generierte Wahlplakate zur Mitsingpflicht beim Sirenentest – Karpi sieht viele Testfelder. In den Anfängen handelte es sich dabei um zusammengewürfelte Satzfragmente. Lustig, aber eher «stupide». Spätestens mit Bild- und Videogeneratoren wie Midjourney eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten: Eine Adolf-Ogi-Ansprache auf Japanisch, ein Jacqueline-Badran-Monument im Zürichsee oder ein Grusel-Trailer zu einem neuen Heidifilm – alles im Nu und kostengünstig mit KI generiert. «Power to the Schnapsidee» lautet das Motto. Dass KI dabei eher Werkzeug als Ersatz für menschliche Kreativität ist, zeigen unfreiwillig lustige Beispiele wie entstellte KI-Hände, Lachsfilets im Fluss (man nutze den Prompt «Salmon Swimming in the Stream») oder auch die Tatsache, dass KI es einfach nicht schafft, ein Bild von einem Pferd, das auf den Schultern eines Mannes sitzt, zu kreieren. Karpis grösste Sorge: dass Menschen künftig KI-Fails in mühsamer Arbeit flicken müssen.

Zwischen Vorurteilen und Mittelmässigkeit
Dorothea Baur, Expertin für Ethik und Künstliche Intelligenz, sieht in KI-generiertem Content kein Problem, solange damit keine vorsätzliche Falschinformation betrieben wird. Karpis Beispiele fallen für sie alle unter Satire und künstlerische Freiheit. Dass mit Deep-Fake-Videos ernsthafter Schaden angerichtet werden könne, zeige das Beispiel einer Hongkonger Firma. Durch ein Deep-Fake-Video des CFOs verlor sie über 25 Millionen Dollar. Dorothea Baur ist überzeugt, dass «Human made Content» nach einer wilden Phase des KI-Austobens mehr denn je an Relevanz gewinne. Nicht zuletzt, da KI-Inhalte alte Wertesysteme befeuerten und eine Menge Vorurteile verbreiteten. Spätestens, wenn die KI von ihren eigenen Texten lerne, komme es zu einem Rückkopplungseffekt. Zudem sei sie nicht in der Lage, disruptiv mit Präzedenzlosigkeit umzugehen und per Definition mittelmässig.

KI = Statistik
Letzterem widerspricht Thilo Stadelmann, Professor für Künstliche Intelligenz an der ZHAW. Ob KI ein mittelmässiges Resultat liefere, hänge davon ab, wer den Prompt formuliere. Man könne ChatGPT beispielsweise bewusst nach Extremen fragen und dadurch eine sehr diverse Antwort erhalten. Es sei aber schon korrekt, dass ChatGPT nach statistischen Regeln arbeite und Wörter aufgrund von statistischer Wahrscheinlichkeit aneinanderreihe. Strenggenommen gebe es KI bereits seit den Fünfzigerjahren. Wirklich neu sei, dass KI für eine breite Masse zugänglich und nützlich ist und immer weniger Rechenleistung benötigt. Sie werde seiner Einschätzung nach jedoch nicht die Weltherrschaft übernehmen.

Gemischte Gefühle bei den Schweizer Medien
Den Nutzen von KI-generierten Inhalten bestreitet Gaudenz Looser, stellvertretender Chefredakteur bei 20 Minuten, nicht. Jedoch ihre Zuverlässigkeit. 20 Minuten sei in Sachen KI eher ein «Late Mover», derzeit evaluiere und trainiere eine kleine Arbeitsgruppe die Anwendungsmöglichkeiten von KI. 20 Minuten nutze KI, um Vorschläge für Titel, Leads oder Boxen zu erstellen. Andere Medien seien experimentierfreudiger und liessen die KI bereits ganze Artikel verfassen und via Avatar-Profil veröffentlichen. Spätestens, wenn ChatGPT in der Lage sei, personalisierte News auszuspielen, würden Medien obsolet. Daher sei es eine strategische Frage, ob man der KI die eigenen Daten zur Verfügung stelle oder nicht. 20 Minuten lässt das bisher nicht zu, andere Medien (SRF, Ringier, Watson, Springer) fahren einen anderen Kurs.

Möglichkeiten für Kommunikationsprofis
Daniel Jörg, Chief Innovation Officer bei Farner, findet KI bereits jetzt sehr nützlich. Während Junior-Mitarbeitende früher immens viel Zeit mit Rechercheaufgaben verbracht hätten, trage nun die KI Inhalte für sie zusammen. Die Junior-Jobs gebe es auch weiterhin – mit kreativerem Aufgabenfeld. Auch bei der Vervielfältigung von Sujets und der Orchestrierung ihrer Ausspielung könne die KI helfen, indem sie Zielgruppen erkennt und Werbegelder gezielter einsetzt. Generell sei die Nützlichkeit von KI von der anwendenden Person abhängig: Anstatt die KI zu fragen, welche Inhalte in einem Beitrag nicht fehlen dürften, könne man diese Info nutzen, um Muster zu erkennen und zu durchbrechen. Neben Anwendungsfeldern in der Kommunikation sieht Daniel Jörg den Nutzen von KI bei der Bearbeitung gesellschaftlich relevanter Themen wie beispielsweise der Krebsfrüherkennung oder des Energiehaushalt. In seinen Augen sollte es als Gegengewicht zum Datenschützer neu auch einen Daten-Explorer geben, der diese Möglichkeiten auslotet.

Urheberrecht, Datenschutz und Regulierungen
Das Thema Datenschutz und KI beschäftigt David Rosenthal, Experte für Daten- und Technologie-Recht bei Vischer Anwälte, jeden Tag. Rechtlich sei alles lösbar. Die Herausforderung liege in der schieren Menge der Anfragen und darin, sich erst einmal in Verträge und Tools einzulesen. Der Klassiker sei die Frage nach dem Urheberrecht. Davon geschützt sei nur, was Menschen generieren. Die Frage lautet: Nutzt der Mensch den Computer / die KI als Werkzeug oder ist die KI Schaffer eines Werks? Einfacher sei die Frage nach der Nutzung von Inhalten durch KI. Wenn die KI ein bestehendes Werk verwende, dann entspreche das einer Nutzung. Die New York Times fordere beispielsweise Geld dafür, dass KI ihre Texte zum Training verwendet. David Rosenthal findet es wichtig, dass den Tech-Konzernen genau auf die Finger geschaut werde. Er ist jedoch auch überzeugt davon, dass sich in Sachen Regulierung vieles von selbst entwickeln wird. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt ist er jedenfalls überzeugt: «Dich wird nicht die KI am Arbeitsplatz ersetzen, sondern derjenige, der besser damit umgehen kann als du.»

PS: Wer sich eine kürzere Zusammenfassung des Communication Summits wünscht, dem empfehlen wir – anstatt die KI zu befragen – den LinkedIn-Post von Michael Wirz.

Seit Juni 2021 ist das Sekretariat der Zürcher PR Gesellschaft in unserer Agentur angesiedelt und der Verband wird von Dominik Allemann als Präsident geführt. Unternehmen (Kollektivmitglied) und Einzelpersonen (Berufs- oder Einzelmitglied) können hier Mitglied sein und ab sofort profitieren vom breiten Netzwerk und Angebot.

Bilder: partnersingmbh.ch

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