10 Jahre bernetblog – Christian Kollmann, Wiener PR-Profi und ECCO Chairman

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«Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.» Mit Wittgenstein wünscht sich Christian Kollmann, dass Kommunikation Grenzen aufhebt und nicht zieht. Als PR-Profi, Agenturbesitzer und Chairman des internationalen Netzwerkes ECCO beantwortet er unsere Fragen. Wir von Bernet_PR haben unsere Grenzen als ECCO Neumitglied vor einem Jahr erweitert. 

Der bernetblog.ch wurde am 27. November 2015 zehn Jahre alt. In der Jubiläumsserie #10JahreBlog öffnen verschiedene Persönlichkeiten ihre Perspektive auf die letzten 10 Jahre im digitalen Wandel. Und haben drei Wünsche für die kommenden Jahre.

Was hat sich in den 10 Jahren verändert?

Alles und nichts – so abgedroschen es klingen mag. Social Media und Online-Kommunikation haben unglaubliche Dynamik in die PR-Branche gebracht. Es ist eine ständige Herausforderung, auf dem Laufenden zu bleiben. Und dabei die eigenen Konzepte und Strategien an neue Möglichkeiten anzupassen. Aber nur, weil etwas neu ist, ist es nicht zwingend eine Bereicherung. In der Vielzahl an (neuen) Angeboten steckt auch eine wachsende Menge an Infomüll. Denn nicht geändert hat sich die simple Wahrheit: Jede gute Kommunikation braucht eine gute Geschichte. Daher bleibt der Kern meines Jobs, auch in der Social Media-Lawine aus viel Information eine für die jeweiligen Nutzerinnen passende und spannende Geschichte zu machen.

Was beschäftigt dich heute am stärksten?

Zwei Aspekte: Wie filtere ich aus der vorhandenen Information für unsere Auftraggeber (und für uns selbst) die Relevanz heraus und bringe sie strategisch passend in die richtigen Kanäle? Und wie geht unsere Branche – und jeder für sich – mit der Verantwortung um, immer stärker die Rolle der «klassischen» Medien einzunehmen? Immer weniger Journalistinnen stehen immer mehr PR-Expertinnen gegenüber. Gut für’s Geschäft? Mag sein. Aber ich vermisse die offen geführte Diskussion, was diese neue Rolle der PR für medien- und damit auch gesellschaftspolitische Auswirkungen mit sich bringt. Medien haben Redaktionsstatuten, Agenturen und PR-Abteilungen nicht. Hier gilt es nachzudenken und anzusetzen.

Welche drei Wünsche hast Du?

Ich wünsche mir, dass mein Beruf weiterhin so abwechslungsreich, spannend und kreativ bleibt. Das wird leicht zu erfüllen sein.

Ich wünsche mir, dass die Kommunikationsberatung — mehr als es derzeit oftmals der Fall ist — als nicht wegzudenkender strategischer Faktor in der Unternehmensführung anerkannt wird. Hier sind wir auf gutem Weg, aber noch nicht am Ziel.

Und ich wünsche mir vor allem, dass in unserer Zeit, in der mehr und mehr traditionelle Strukturen, Orientierungen und Sicherheiten verloren gehen, wir Kommunikatoren uns unserer ethischen Verantwortung bewusst sind. Ludwig Wittgenstein meinte: «Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt». Wir müssen dafür sorgen, dass wir mit unserer Arbeit keine neuen Grenzen zwischen den Menschen ziehen, sondern diese vielmehr aufheben. Hier bin ich ehrlich gesagt nicht ganz so optimistisch.

Wir danken Christian Kollmann für die tolle Aufnahme im grossen ECCO-Netzwerk und für den inspirierenden und menschlich angenehmen Austausch. 

Weiterführende Informationen:

alle Portraits in der Serie #10JahreBlog
alle bernetblog-Artikel rund um (Blog-) Geburtstage

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