Was ist eigentlich…: Community Informatics?

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Wer sich auf dem Arbeitsweg oder beim Mittagessen umsieht, erkennt: Das Smartphone ist allgegenwärtig. Unlimitierter Internetzugang und die mobilen Geräte gehören zum Alltag. Community Informatics beschäftigt sich damit, wie Technologie die Menschen zusammen bringt.

Spricht man von einer Community, einer Gemeinschaft, kann diese on- oder offline sein. Community Informatics beschäftigt sich damit, wie die zwischenmenschliche Interaktion durch Technologie gefördert wird. Gemeinschaften bilden sich, wenn Menschen mit denselben Interessen wie beispielsweise Kultur, Soziales, Dienstleistungen oder Wirtschaft zusammenkommen. Technologischen Anwendungen unterstützen diese gemeinsamen Interessen und stärken die Gemeinschaft. Die Hilfsmittel aus der digitalen Welt fokussieren auf die soziale Interaktion. Neu ist das nicht – aber die Thematisierung zeigt ein Bedürfnis, digital und real zu verknüpfen und das Positive von beiden Welten zu kombinieren.

Sieht man die Anwendungsfelder, öffnen Community Informatics Perspektiven für die Kommunikation: Durch eine neue Auseinandersetzung mit den Zielgruppen, durch die Vernetzung von Disziplinen und durch die Verbindung zwischen on – und offline.

Beispiele für Community Informatics:

Zugang bieten
Auf der Suche nach typischen Beispielen bin ich auf viele ursprünglich reine Telekomanbieter gestossen. Zum Beispiel K-Net in Kanada. Was beinhaltet deren Dienstleistung «Community Informatics»? Sie vereint ihre Leistungen mit jener, lokaler Anbieter, baut ihre Leistung zu einer IT-Infrastruktur für die gesamte Region aus und passt Produkte inhaltlich und auch service-technisch ihrem Zielpublikum der lokalen Gemeinschaft an. Vor Ort generieren sie Arbeitsplätze und tragen mit Aktivitäten an Schulen, in Sportvereinen und lokalen Unternehmen zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung bei.

Menschen befähigen
Wir nehmen Kinder als Beispiel: Was früher die Medien-Themenwoche in der Schule war, kann heute ein interaktives Programm für kleine Stadt-Reporter, Verlagsleiter, Schulblattdesigner oder Videojournalisten sein. Youtube, Instagram, Snapchat und interaktive Karten liefern einfache Hilfsmittel und Resultate, die auch ausserhalb der Gemeinschaft geteilt werden können. Das erzeugt Feedback und Motivation. Vielseitige Hilfsmittel und eine klare Aufgabenstellung fordern und fördern.

Momente teilen
Projekte im öffentlichen Raum generieren Aufmerksamkeit – und soziale Interaktion. Das kann eine öffentliche Twitter-Wall sein oder eine App die einem mitteilt, wer auch gerade vor Ort an einem Konzert, im Zug oder an einer Vorlesung ist. Oder es kann ein Projekt sein wie die im NZZ-Artikel «Social Media unplugged» erwähnte «Moment Machine» von Nemanja Memarovic, einem Informatiker der Universität Zürich. Er hat die «Moment Machine» mit Kollegen entwickelt, die nun an der Universität Lugano steht und Menschen zusammenbringen soll. Sie hält Momente fest – mit gemeinsamen Studienkollegen oder neuen Bekanntschaften. Die Momentaufnahmen erscheinen vor Ort und auf Facebook.

Austausch fördern
Apps für Konversationen nach Veranstaltungen oder zum gemeinsamen Generieren von Designs, Inhalten für Bücher und Ideen für Festivals bringen Gleichgesinnte zusammen. Sie helfen, gemeinsame Interessen zu entdecken und diese zusammen einzusetzen oder weiterzuentwickeln.

Das Ziel von Community Informatics: technologische Möglichkeiten für soziale Interaktionen einsetzen. Ziel ist nicht, den sozialen Austausch durch die Präsenz von Smartphones zu unterbrechen. Oder wie es die Mentorin vom Erfinder der «Moment Machine», Geraldine Fitzpatrick, Professorin für Mensch-Maschine-Interaktion an der Technischen Universität Wien, sagt: «Die Gefahr ist nicht die Technologie, sondern die Art, wie wir sie nutzen.»

Weiterführende Artikel
Checkliste Community Management von Bernet
– Artikel «Social Media unplugged» zu Community Informatics in der Neuen Zürcher Zeitung

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