Facebook im Profil: J.S. Bach-Stiftung

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Kantate Titel Nur jedem das seineEine Stiftung steigert ihre Fangemeinde in einem Monat um 10’000 Personen – was für ein Konzept steht dahinter und welche Inhalte begeistern? Fünf «Facebook im Profil»-Fragen an die J.S. Bach-Stiftung. 

Meine Erinnerung beim Name Johann Sebastian Bach ist ein rechteckiges, crèmefarbiges Notenheft. Die Begeisterung zum Klavierüben konnte es langfristig nicht wecken, wohl aber einige Sympathien zur klassischen Musik. Immerhin. Mehr als nur Sympathien scheint die Facebook-Seite der J.S. Bach-Stiftung zu wecken. Mitte Juli gab die St. Galler Stiftung 25’000 Fans bekannt – heute sind es schon fast 40’000.

Kantatenvideos als Zugpferd
Die J. S. Bach-Stiftung macht das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach dem zeitgenössischen Publikum zugänglich. Und entschied im Dezember 2009 als Test eine Facebook-Seite zu starten. Seither werden die Aktivitäten der Stiftung über Facebook verbreitet. Besonders beliebt sind die YouTube Videos der Kantaten, die monatlich in Trogen (AR) aufgeführt werden. Die Fans sind international: die grösste Fangemeinschaft ist laut Medienmitteilung vom Juli aus den USA mit rund 30 Prozent, gefolgt von Deutschland mit 15 Prozent – eine Erfolgsgeschichte von Trogen in die Welt hinaus.

Daniel Knus, Social Media-Verantwortlicher der J.S. Bach-Stiftung hat unsere «Facebook im Profil»-Fragen nach Zielen, Erfahrungen und Wünschen beantwortet:

Wieso sind Sie auf Facebook vertreten?
Mit unserer Präsenz auf Facebook wollen wir das Werk von Johann Sebastian Bach einem breiten Publikum zugänglich machen, was unserem Stiftungszweck entspricht. Zentraler Bestandteil sind die Videoausschnitte unserer monatlichen Kantaten-Aufführungen in Trogen (AR), die wir regelmässig auf Youtube stellen und auf anderen sozialen Medien verlinken. Wir wollen mit unseren Fans einen Dialog auf Augenhöhe pflegen und stets ein offenes Ohr für ihre Anliegen haben – und diese auch in die Tat umsetzen. So sind wir seit kurzem auf vielfachen Wunsch insbesondere der ausländischen Freunde mit unseren Aufnahmen beispielsweise auf iTunes präsent.

Welches inhaltliche Konzept besteht für den Auftritt?
Alle drei bis vier Wochen stellen wir ein neues Video mit einem Ausschnitt aus unseren Live-DVDs kostenlos zur Verfügung. Neben den Videos zu den Kantaten wollen wir auch unser edukatives Konzept verankern, das international wohl einzigartig ist: alle Konzertabende umfassen auch eine musikalisch-theologische Werkeinführung und eine Reflexion. Grundsätzlich empfinden wir es als unsere Aufgabe, immer wieder mit neuen Inhalten zu überraschen, die auch zum Dialog anregen.

Wie gross ist der Zeitaufwand und wer ist beteiligt (organisatorische Verteilung)?
Der übliche Aufwand für Social Media liegt zwischen vier und fünf Stunden pro Woche. Grundsätzlich bin ich selbst dafür zuständig, selbstverständlich immer in enger Zusammenarbeit und Absprache mit der Stiftung und der Vertriebsgesellschaft.

Lohnt es sich?
Auf jeden Fall. Wir konnten die Bekanntheit der Stiftung in einem Ausmass über die Landesgrenzen hinaustragen, wie wir es uns beim Start vor bald drei Jahren nicht im Traum auszumalen gewagt haben. Besonders freut uns, dass die monatlichen Konzerte in Trogen (AR) mittlerweile von Fans besucht werden, die uns über soziale Medien kennengelernt haben. So haben wir inzwischen regemässig Konzertbesucher aus Deutschland. Kürzlich sind sogar zwei Personen aus Madrid extra für den Konzertabend in die Schweiz geflogen, ein Ticketgewinner reiste aus den USA hierher. Diese Sogwirkung überrascht uns laufend neu. Auch bei den Verkäufen von DVDs, CDs und Büchern stellen wir eine deutliche Zunahme fest. Hier setzen wir unseren Fokus ganz bewusst langfristig. Unser Projekt dauert ja insgesamt ein Vierteljahrhundert.

Wichtigste Erfahrung mit der Facebook-Präsenz?
Unsere wichtigste Erkenntnis ist, dass ohne erstklassige Inhalte kaum eine nachhaltige Präsenz aufgebaut werden kann. In unserem Fall sind dies die Kantatenaufnahmen unter der musikalischen Leitung von Rudolf Lutz, die erfreulicherweise weltweit auf ein sehr positives Echo stossen und uns zeigen, dass wir musikalisch auf internationalem Niveau sehr gut mithalten können.

Nicht nur musikalisch, sondern auch mit dem Facebook-Auftritt überzeugt die Stiftung. Dies zeigen die immer wachsende Anzahl Fans sowie die Nomination für den Social Media Award. Mir gefällt der unaufgeregte, aber durchaus engagierte Auftritt. Er erzählt ohne Hast und Animationsversuch Geschichten und gewährt Einblick in die Bach-Welt. Ohne aufgesetzt zu wirken – es gab nicht mal einen «hey wir sind jetzt auch auf Facebook-Post» – werden hier bestehende Bach-Begeisterte abgeholt und wohl Neue fasziniert. Die J.S. Bach-Stiftung ist auch auf  Twitter via @bachstiftung, YouTube und Pinterest vertreten.

Weiterführende Links:
– Artikel in der Rubrik «Facebook im Profil»
– Artikel in der Rubrik «Twitter im Profil»
– Artikel in der Rubrik «Blogger im Profil»
– Alle Social Media Beispiele im bernetblog
– bernetblog Beitrag «Was ist eigentlich…:Pinterest?»
– Webseite und Facebook-Seite der J.S. Bach-Stiftung
– Und was genau sind Kantaten? Mehr Informationen 

 

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