Die Konsequenzen der eigenen Meinung

Die Migros beendet die Zusammenarbeit mit Joung Gustav. Dafür solidarisiert sich die Junge SVP mit ihm. Damit tritt genau das Szenario ein, das wir vor einigen Wochen gezeichnet haben: Der Jungunternehmer selbst wird politisiert.
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Joung Gustav erreicht mit seinen Videos auf Social Media Millionen von (jungen) Menschen. Waren es früher unterhaltsame Strassenumfragen, teilt der 33-Jährige heute auf einem Zweitaccount seine politischen Meinungen. Wir sind bereits Ende 2025 auf die Clips aufmerksam geworden und haben potenzielle Chancen und Risiken aufgezeigt. Und unter anderem darauf hingewiesen, dass die Meinungsvideos Einfluss auf Partnerschaften haben und den Diskurs um die Person selbst verändern kann. Beides passiert jetzt.

CH Media hat in einer Recherche herausgefunden, dass Migros und Gustav nicht mehr gemeinsame Wege gehen: «Wir mussten feststellen, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mit unserem Wertekanon vereinbar ist und haben daher die Zusammenarbeit beendet», lässt sich das Unternehmen zitieren.

Der Verlust der Deutungshoheit

Wenig überraschend polarisiert die Entscheidung der Detailhändlerin. In den Kommentarspalten zeigen viele User:innen Verständnis für die Entscheidung der Migros, andere erkennen eine Beschneidung der Meinungsfreiheit. Und die Junge SVP sieht politisches Potenzial. In einem Video ruft JSVP-Präsident Nils Fiechter zur «Boykottierung der woken Migros» und dem Kauf von Yvte auf. Der Unternehmer verliert die Deutungshoheit über seine Person(enmarke). Und sein Schweigen hilft dabei nicht.  Er hat auf mehrere Anfragen von CH Media nicht reagiert.

Ein Account mit Millionen Follower:innen ist weit von vielen Lebensrealitäten weg. Dennoch können wir aus diesem aktuellen Fall lernen:

  • Meinungsfreiheit schützt vor Diskurs nicht
    Wir können unsere Meinung im Internet teilen, müssen den Diskurs dann aber aushalten und idealerweise mitgestalten.
  • Viele Unternehmen sind unpolitisch
    Die Migros möchte keine politischen Werbegesichter. So wie viele Unternehmen keine politischen Mitarbeiter:innen möchten.
  • Zitierte Zahlen müssen belastbar sein
    Es reicht nicht eine zur eigenen Meinung passende Statisik zu zitieren. Zahlen müssen belastbar sein. Sonst fallen sie einem sprichwörtlich auf die Füsse.

Ergänzung vom 18. Februar. Gustav äussert sich zur Geschichte auf Tiktok. Danke Manuel Oberholzer für den Hinweis. Was er aus kommunikativer Sicht auch hier ausklammert: Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass Partner diese Meinung mittragen müssen. Egal, ob eher links oder rechts gerichtet.

@gustavredet karriere verbi – alpkick.ch startet 🏔️ bitte teile #schweiz #vyte #gustav ♬ Originalton – gustavredet

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